Quelle: Bieler Tagblatt

So richtig grosse Brände hat es in den letzten zehn Jahren in der Schweiz glücklicherweise keine mehr gegeben. Das sagt Theo Bühlmann, der zuständige Leiter für Prävention und Intervention bei der Gebäudeversicherung Bern (GVB): «Grossbrände wie damals, als im Kanton Bern die Papierfabrik Tela niederbrannte, und drei Feuerwehrleuten das Leben kostete, gab es schweizweit zum Glück schon sehr lange nicht mehr. Trotzdem brennt es regelmässig, in Schweizer Wohnhäusern mehr als 20 000-mal im Jahr. Im Kanton Bern klingelte der Notruf bei der Feuerwehr dieses Jahr von Januar bis Ende September bereits 1704-mal. Im gesamten letzten Jahr gab es im Kanton Feuerschäden für total 36,639 Millionen Franken.

Brandursachen sind Strom und elektrische Geräte, Kerzen und Zündhölzer, Rauchwaren, Blitzeinschläge und Feuerwerke. Deshalb erscheint die Frage, ob es im Haus irgendwo einen Feuerlöscher geben sollte, eigentlich schon fast als überflüssig.

Seit bald vier Jahren sind Handfeuerlöscher in Wohnbauten allerdings nicht mehr Pflicht. Der Kanton Bern hat diese Empfehlung damals übernommen. Eine Hausverwaltung, die den Mietern im Gebäude Feuerlöscher hinhängt, macht das freiwillig. Für den Bieler Feuerwehrkommandanten Didier Wicht von der Berufs- und Milizfeuerwehr Biel ist es eine bedauernswerte Lücke, dass Feuerlöscher in Wohnhäusern nicht mehr vorgeschrieben sind. «Für mich ist das ein Rückschritt, was die Sicherheit angeht», sagt Wicht. «In einer Notsituation ist ein Feuerlöscher eine Hilfe und sehr nützlich, wenn jemand die Initiative ergreifen und löschen will.»

Er empfiehlt deshalb, dass jeder in den eigenen vier Wänden einen Feuerlöscher oder eine Löschdecke hat. Obwohl Wicht weiss: «Wie eine Person reagiert, wenn es daheim brennt, ist schwer vorauszusagen: Einige löschen, andere rennen aus Panik weg.»

Ob wegen der Änderung in den Brandschutzrichtlinien weniger Feuerlöscher in Wohnbauten hängen, kann Wicht nicht sagen. «Wir vertrauen in erster Linie in unser eigenes Material und löschen nicht mit Feuerlöschern eines Mietshauses», sagt er. Nach Einschätzung des Bieler Feuerwehrkommandanten hat sich die Gesellschaft aber in den letzten Jahren gewandelt: Die Leute nehmen die Brandgefahr ernst und helfen mit bei der Prävention.

45 Schadensmeldungen gingen bei der kantonalen Gebäudeversicherung aus der Stadt Biel bis Ende September ein. Davon betrafen 35 Fälle ein Wohnhaus (siehe Tabelle). Laut Wicht ist die Zahl der Brände relativ stabil: «Obwohl die Einwohnerzahl in Biel zunimmt, haben wir nicht mehr Brandfälle», sagt er.

«Es geht um die Sicherheit»

Und die Hausverwaltungen? Bei der Bieler PS Immobilien AG, die Häuser in Biel, Grenchen und Solothurn verwaltet, heisst es: «Auch wenn Feuerlöscher nicht mehr Pflicht sind, stellen wir in unseren Häusern genügend zur Verfügung.» Schliesslich gehe es dabei um die Sicherheit der Mieter und auch die Verwaltung profitiere, wenn ein Brand schnell gelöscht werden könne. Habe es auf einem Stock drei Wohnungen, stelle man pro Stock einen Feuerlöscher zur Verfügung. In Neubauten, wo es in der Regel im Treppenhaus noch mehr Platz gibt, seien es ab weniger Wohnungen ein Feuerlöscher.

Einen Unterschied gebe es aber seit der Revision dennoch: Früher habe man die Feuerlöscher alle drei Jahre praktisch auf den Tag genau kontrolliert, weil das Vorschrift war. Heute sei vielleicht ein Feuerlöscher auch mal ein halbes Jahr abgelaufen: «Er funktioniert aber trotzdem noch.» Bei der Marfurt AG, die Immobilien in Biel, Nidau, Lyss und Aarberg verwaltet, ist es ebenfalls selbstverständlich, dass man Feuerlöscher zur Verfügung stellt: «Es wäre keine gute Idee, das nicht zu tun. Es ist an uns, nicht jeder Mieter hat einen eigenen Feuerlöscher und dafür wird schliesslich auch Miete bezahlt.» Die Rechnung wird über die Nebenkosten beglichen.

Was zur Lockerung führte

Bei der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG) erklärt Rolf Meier, Bereichsleiter Kommunikation, die Lockerung der Feuerlöscherpflicht: «Praxiserfahrungen haben gezeigt, dass ein Feuerlöscher in einem Mehrfamilienhaus gar nicht erst zum Einsatz kommt.»

Die zu geringe Anzahl von Löscheinsätzen mittels Feuerlöscher durch Privatpersonen und auch feuerhemmende Baumaterialien bei Neubauten haben laut Meier zu dieser Änderung geführt. Rechtlich streng genommen, sagt Meier, gelte die Lockerung eigentlich nur für Wohnhäuser, die ab 2015 gebaut wurden. «Wir empfehlen aber sowieso in jedem Fall die Anschaffung eines Feuerlöschers auf freiwilliger Basis», sagt Meier, «besonders, wenn die Personen vorab geschult werden, wie sie mit welchen Mitteln einen Brand bekämpfen können.»

Vorgeschrieben sind übrigens Feuerlöscher noch immer in Büroräumen, Schulen und Kindergärten. Dabei darf der Weg zum nächsten Feuerlöscher nie länger als 40 Meter sein. Laut der VKG verzeichnet übrigens die Schweiz im Verhältnis zur Einwohnerzahl weltweit am wenigsten Brandtote.